Trinkgeld in Frankreich: Was „Service Compris“ wirklich bedeutet
Der Service ist gesetzlich inbegriffen – zusätzliches Trinkgeld ist ein Bonus, keine Erwartung.
Restaurants
Das französische Gesetz verpflichtet Restaurants, rund 15 % Service in die Speisekartenpreise einzurechnen – eine Regelung, die als „service compris“ bekannt ist. Das bedeutet, dass die Person, die dir heute Abend dein Coq au Vin serviert hat, für diesen Service bereits bezahlt wird, noch bevor du überhaupt nach der Rechnung gefragt hast. Das ist der wichtigste Punkt, den du beim Essengehen in Frankreich verstehen musst: Du zahlst nicht zu wenig, wenn du nichts extra dazulegst. Wenn sich ein Kellner aber besonders ins Zeug gelegt hat oder du in einem Lokal, in das du gerne zurückkehren möchtest, ein außergewöhnlich gutes Essen hattest, wirkt ein paar Euro in bar als echtes Kompliment statt als Ausgleichszahlung – und genau deshalb wird es geschätzt, weil es selten und eindeutig freiwillig ist.
Cafés und Bars
Kaffee und Getränke in französischen Cafés funktionieren nach derselben Service-compris-Logik wie Restaurants. Die Rechnung aufzurunden oder ein bis zwei Münzen auf die Untertasse zu legen, ist das ganze Ausmaß dessen, was üblich ist. Niemand, der an einem Pariser Café-Tisch sitzt, muss sich einen Prozentsatz auf seinen Espresso ausrechnen.
Taxis
Den Fahrpreis aufrunden, das war's schon: Aus €17 werden €18 oder €20 – das ist die übliche Höflichkeit, kein berechnetes Trinkgeld. Französische Taxifahrer sind nicht wie amerikanische Taxifahrer historisch auf Trinkgeld angewiesen, also gibt es keinen Druck, mehr zu geben.
Hotels
Hotelpersonal in Frankreich bekommt bescheidene, freiwillige Trinkgelder: Das Housekeeping erhält meist €1-2 pro Nacht, wenn du etwas dalassen möchtest, und ein Gepäckträger bekommt üblicherweise €1-2 pro Gepäckstück. Das ist in gehobenen Hotels in Städten wie Paris oder Nizza, wo voller Service Teil dessen ist, wofür du bezahlst, üblicher als in einfachen Gästehäusern auf dem Land.
Reiseleiter
Ein Guide, der dich durch die hinteren Gänge des Louvre führt oder eine Tour zu einem Loire-Schloss leitet, erwartet kein im Preis der Tour eingerechnetes Trinkgeld, aber ein bescheidenes Dankeschön von ein paar Euro ist eine schöne Art, einem Guide zu danken, der eindeutig kenntnisreich war und großzügig mit seiner Zeit umgegangen ist. Es ist eine Geste und keine Norm, ganz wie der Rest der französischen Trinkgeldkultur.
Fazit
Frankreich hat die Trinkgeldfrage im Grunde schon beantwortet, bevor du dich hinsetzt, denn der Service ist fast überall gesetzlich inbegriffen. Die eigentliche Kunst für Besucher besteht darin, sich damit anzufreunden, statt reflexartig nach amerikanischem Vorbild noch etwas obendrauf zu legen.
Sehenswerte Orte
Ein paar Orte sprechen ganz von allein für Frankreich.
Schloss Versailles
Allein der Spiegelsaal – 357 Spiegel gegenüber 17 Fenstern mit Blick auf den Garten – zeigt, worauf Ludwig XIV. hinauswollte, und die formalen Gärten hinter dem Schloss erstrecken sich so weit, dass ein Fahrrad wirklich hilfreich ist.
Mont Saint-Michel
Diese Gezeiteninsel-Abtei in der Normandie wird durch einige der dramatischsten Gezeiten Europas vom Festland abgeschnitten – sie können über 14 Meter steigen und sich schneller bewegen, als ein Mensch rennen kann.
Der Nationalpark Calanques
Die Kalksteinbuchten zwischen Marseille und Cassis schneiden schroffe weiße Klippen in türkisfarbenes Wasser, das du nur mit dem Boot, zu Fuß oder mit dem Kajak erreichst, da Autos in der Hochsaison eingeschränkt sind.
Die Schlösser des Loiretals
Die doppelhelixförmige Treppe von Chambord, die angeblich mit Skizzen von Leonardo da Vinci entstand, ist der Ankerpunkt eines Tals voller Renaissanceschlösser, die als Statussymbole für den französischen Adel erbaut wurden.
Reiseplanung
Spätfrühling – Mai oder Juni – oder Frühherbst im September bringen im größten Teil des Landes gutes Wetter, ohne den August-Ansturm, wenn ein Großteil Frankreichs selbst in den Urlaub fährt und viele Restaurants in Kleinstädten für den ganzen Monat schließen. Karten werden fast überall akzeptiert, sogar in kleinen Boulangerien, aber es lohnt sich, etwas Bargeld für ländliche Märkte und kleinere Dörfer abseits der Touristenrouten dabeizuhaben. Ein wirklich nicht offensichtlicher Hinweis: Viele Restaurants außerhalb der großen Städte schließen zwischen Mittag- und Abendessen, oft von etwa 14:30 bis 19 Uhr, sodass du um 16 Uhr hungrig dastehen kannst, bis die Abendöffnungszeiten tatsächlich beginnen.
FAQ
Gibt man in Frankreich Trinkgeld?
Eigentlich nicht. Ein Servicezuschlag von rund 15 % ist gesetzlich bereits in den Restaurantrechnungen enthalten, sodass zusätzliches Trinkgeld eine nette Geste für großartigen Service ist, aber nichts Erwartetes.
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