Trinkgeld in China: Ein Brauch, der sich erst noch etabliert
In stark touristisch geprägten Bereichen verschieben sich die Gepflogenheiten langsam, aber die Regel ist es noch immer nicht.
Restaurants
Trinkgeld in einem chinesischen Restaurant, ob im Sichuan-Hotpot-Lokal oder im Pekinger Entenrestaurant, gehört einfach nicht dazu und kann das Personal regelrecht überrumpeln — manche laufen Ihnen sogar hinterher, um das Geld zurückzugeben, das Sie auf dem Tisch liegen gelassen haben, weil sie annehmen, Sie hätten es vergessen. Allerdings verschiebt sich das Bild im gehobenen Segment ein wenig: Einige Edelrestaurants und Lokale, die stark auf ausländische Touristen ausgerichtet sind, etwa in Shanghai, nehmen mittlerweile stillschweigend Trinkgeld an, ohne dass es unangenehm wird. Als Faustregel gilt trotzdem: Zahlen Sie die Rechnung wie ausgewiesen und legen Sie nichts obendrauf, außer Sie befinden sich eindeutig an einem Ort, der darauf eingerichtet ist.
Cafés und Bars
Cafés und Bars folgen derselben Logik wie Restaurants — keine Trinkgeldgläser, keine Erwartungshaltung, kein Ritual drumherum. Ob Sie sich in einem Café in Shanghai einen Kaffee holen oder in einer Hutong-Bar in Peking ein Bier trinken: Zahlen Sie einfach, was die Kasse anzeigt, und gehen Sie. Niemand wird sich darüber Gedanken machen, so oder so.
Taxis
Taxifahrer in China erwarten kein Trinkgeld, und das Aufrunden ist hier auch nicht so kulturell verankert wie in manchen Nachbarländern. Die Fahrten laufen über Taxameter und sind meist günstig, sodass die ganze Sache schnell, exakt und trinkgeldfrei über die Bühne geht. In Großstädten haben Fahrdienst-Apps das Winken am Straßenrand ohnehin größtenteils abgelöst, und der in der App angezeigte Preis ist einfach der Preis.
Hotels
Zimmerpersonal und Gepäckträger in chinesischen Hotels, selbst in internationalen Fünf-Sterne-Ketten, erwarten traditionell kein Trinkgeld, was Reisende aus trinkgeldfreudigen Ländern oft überrascht. Sie kränken niemanden, wenn Sie nichts auf dem Kopfkissen liegen lassen. Möchten Sie für einen wirklich hervorragenden Service etwas dalassen, wird ein kleiner Betrag nicht abgelehnt, aber es ist nicht so tief in der Kultur verankert wie etwa in den USA.
Guides
Hier hat sich die Trinkgeldkultur in China tatsächlich verändert, und zwar speziell im Zusammenhang mit ausländischem Tourismus. Guides und Fahrer bei Gruppenreisen mit internationalen Besuchern erhalten inzwischen häufig Trinkgeld, besonders bei mehrtägigen Touren zu Orten wie der Großen Mauer oder der Terrakotta-Armee in Xi'an, wobei es weiterhin als freiwillig und nicht als verpflichtend gilt. Ein angemessener Tagesbetrag pro Person, am Ende der Tour übergeben, ist in diesem speziellen Kontext üblich — überträgt sich aber nicht auf alltägliche Situationen außerhalb organisierter Touren.
Fazit
China ist im Grunde nach wie vor ein Land ohne Trinkgeldkultur, und wer einem Kellner oder Taxifahrer Trinkgeld geben will, sorgt eher für Verwirrung als für Freude. Die eine Ausnahme, die man sich merken sollte, sind ausländische Gruppenreisen, bei denen das Trinkgeld für Guide und Fahrer inzwischen zum erwarteten Abschluss der Tour gehört, selbst wenn der Rest des Aufenthalts trinkgeldfrei bleibt.
Sehenswerte Orte
Angesichts der schieren Größe Chinas könnte man hier ein ganzes Leben verbringen, aber ein paar Orte bilden für die meisten Erstbesuche das Fundament.
Die Chinesische Mauer bei Mutianyu
Ein weniger überlaufener, gut restaurierter Mauerabschnitt etwa 90 Minuten von Peking entfernt, mit Seilbahn und einer Rodelbahn nach unten, die ihn zugänglicher macht als den überfüllten Abschnitt bei Badaling.
Die Terrakotta-Armee, Xi'an
Tausende lebensgroße Tonsoldaten, die vor über zweitausend Jahren mit Chinas erstem Kaiser begraben wurden, 1974 von Bauern beim Brunnenbau entdeckt und bis heute weiter ausgegraben werden.
Der Bund, Shanghai
Eine Uferpromenade mit Banken und Handelshäusern aus der Kolonialzeit, die der futuristischen Skyline von Pudong auf der anderen Seite des Huangpu-Flusses gegenübersteht — am schönsten in der Dämmerung, wenn beide Seiten beleuchtet werden.
Nationalpark Zhangjiajie
Tausende himmelhohe, bewaldete Sandsteinsäulen, die angeblich die schwebenden Berge in Avatar inspirierten, mit gläsernen Aussichtspfaden für alle, die keine Höhenangst haben.
Reiseplanung
Frühling (April bis Mai) und Herbst (September bis Oktober) umgehen sowohl die brutale Sommerhitze in Städten wie Xi'an als auch das Gedränge während der landesweiten Feiertagswochen — es lohnt sich, Ihre Reisedaten damit abzugleichen, da der Inlandstourismus in diesen Zeiten stark ansteigt. Bargeld ist inzwischen weitgehend nur noch die Rückfalloption — China läuft über mobile Bezahl-Apps wie Alipay und WeChat Pay, und wer schon vor der Ankunft eine ausländische Karte darin hinterlegt, erspart sich ständige Reibung, da viele kleinere Anbieter kaum noch Bargeld vorrätig haben. Ein Hinweis: Große ausländische Dienste wie Google, Gmail und Instagram sind gesperrt, kümmern Sie sich also vor der Ankunft um ein VPN, falls Sie diese benötigen. Ein gültiger Reisepass und für die meisten Staatsangehörigkeiten ein im Voraus organisiertes Visum sind erforderlich — prüfen Sie die Anforderungen frühzeitig, da die Bearbeitung dauern kann.
FAQ
Muss ich in China Trinkgeld geben?
In der Regel nein — in den meisten Restaurants, Taxis und Hotels ist Trinkgeld nicht üblich, auch wenn es bei Guides und Fahrern von ausländischen Gruppenreisen inzwischen verbreitet und in diesem speziellen Kontext praktisch erwartet wird.
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